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Vor 30 Jahren fiel die Mauer

Gedanken zu einem historischen Datum
November 9, 2019 - Lesezeit: 4 Minuten
Vor 30 Jahren fiel die Mauer
Das Brandenburger Tor habe ich 2002 aufgenommen.

In den Nachrichten, Reden von Politikern und natürlich in den zahlreichen Veranstaltungen heute in Berlin ist es Thema Nr. 1: der Mauerfall vor 30 Jahren. Aber wie habe ich den Tag vor 30 Jahren erlebt?

An die meisten Dinge, die ich vor 30 Jahrten erlebt habe, erinnere ich mich nur noch schemenhaft. Aber die Maueröffnung ist natürlich auch bei mir noch recht präzise im Kopf. Natürlich habe ich die politische Umbruch-Stimmung in der Presse oft und durchaus auch mit Sorge verfolgt. Konsequenzen, die daraus für mich persönlich entstehen könnten, habe ich höchstens vage erahnt. Aber das ging sicher vielen so.
In den Jahren 88 bis 90 habe ich geraden in den Jahren gesteckt, die lt. wiederholten Bekundungen der Erwachsenen "keine Herrenjahre" sind. Das bedeutete im EAB Berlin insbesondere wahnsinnig früh aufstehen, wenn ich mich richtig erinnere, ging die Arbeit 6:30 Uhr los, also 5:30 aufstehen.
Wer mich kennt, weiß, dass das mir als "Eulenmensch" extrem schwer fiel, so dass ich abends schon recht früh schlafen gehen musste.
Daher habe ich am 09.11.89 von der Grenzöffnung überhaupt nichts mitbekommen. Erst am Morgen des 10.11. in der Umkleide des Betriebs habe ich mich gewundert, dass viel, viel weniger Kollegen, als üblich anwesend waren, und von denen sprach eigentlich keiner. Aber auf einmal kam ein Mit-Lehrling hineingestürmt, und redete atemlos davon, dass er in der Nacht schon in Westberlin gewesen sei, und dass die Mauer geöffnet wäre.
Zuerst habe ich es überhaupt nicht geglaubt, aber es dauerte nicht lange bis die entsprechenden Bestätigungen anderer Kollegen kamen, und natürlich waren dann in den Radios in den Werkhallen die Nachrichten voll davon.
Die unter vielleicht 50% der Kollegen entstehende Euphorie, und auch die derer, die man in den Nachrichten sah, konnte ich nicht nachvollziehen, ich konnte a) kein persönliches Schicksal damit verknüpfen, und war b) verunsichert, was als Nächstes kommen könnte. Würde das Militär (die NVA, Geheimdienste oder die Russen) eingreifen, würde man versuchen, die alten Zustände wieder herzustellen? Würde es nicht dabei uns Berliner zuerst erwischen?
Mit solchen gemischten Gefühlen verfolgte ich also in den darauffolgenden Tagen die Ereignisse, und traute mich noch 4 Tage nicht in den Westen, obwohl ich sehr neugierig war. Man hörte ja immer mehr Geschichten von Bekannten und Freunden, die sich mal zuallererst in Westberlin ihr "Begrüßungsgeld" abgeholt haben.
Das System, in dem ich aufgewachsen bin, hatte durchaus ein düsteres Bild vom gegnerischen Gesellschaftssystem gemalt, welches nicht nur in meinem Kopf Nachwirkungen hatte. Mein ersten Fuß auf Westberliner Erde setzte ich trotzdem schon 4 Tage später, am 13.11.89, und zwar über die Oberbaumbrücke.


Die Oberbaumbrücke 13 Jahre nach meinem ersten Grenzgang! (Meine Aufnahme, v. 27.9.2002)

Bei meinen ersten Schritten in West-Berlin, die ich zusammen mit meinem besten Freund (Macki) wagte, war ich noch sehr unsicher, wie würde der Klassenfeind auf mich reagieren? Wie würde es in einer Stadt der Drogenabhängigen, Obdachlosen, Gangster und Raubtierkapitalisten aussehen? Und würde man da auch mir 100 Mark - einfach so - geben? Ich merkte natürlich besonders in Kreuzberg ziemlich schnell genau, dass die Stadt fast genauso aussah, wie bei uns, und auch die Menschen sprachen die gleiche Sprache. Keiner dort trug offen eine Waffe, und auch Junkies hingen nicht in jeder Ecke herum. Ein Gefühl von größerer Gefahr kam eigentlich nicht auf, auch nicht, wenn ich irgendwo Polizisten sah.

Das Begrüßungsgeld gab man auch mir wirklich, kaum zu glauben, der DDR-Ausweis genügte, und ich musste auch nicht stundenlang an einer langen Schlange vor einer Bank anstehen, wie es wohl vielen Ostberlinern passierte. Ich war vorgewarnt, und ging zu einer Postfililae, statt zur Bank. Da standen nur max. 3 Menschen vor mir.

Ja, und so wurde es schnell zur Normalität, die Grenze wurde von Tag zu Tag durchlässiger, und ich genoss die neuen Freiräume und Möglichkeiten in vollen Zügen.

Die uns heute bekannte Entwicklung ist jedenfalls definitv als großes Glück zu begreifen.

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